Für welche Forschungsteams?

Teams für Bewegungssteuerung und Sim-to-Real

Diese Teams entwickeln eigene Bewegungs-, Regelungs- oder Lernverfahren und müssen zwischen Simulation und Hardware wechseln. Entscheidend ist, auf welcher Steuerungsebene die angebotene Variante tatsächlich Entwicklungszugang bietet.

Teams für Wahrnehmung und Mensch-Roboter-Interaktion

Ihre Versuche hängen von der konkreten Kamera-, Tiefen-, Audio- oder Handkonfiguration ab. Neben der Hardware brauchen sie Zugriff auf die Daten, die ihr Versuchsaufbau verwendet.

Teams für Ganzkörper- und Kontaktforschung

Sie untersuchen Mehrkontaktbewegungen, Manipulation oder Ganzkörperregelung. Dafür müssen Regelungsmöglichkeiten und Simulationsmodell ebenso zum Vorhaben passen wie Platz und Schutzkonzept im Labor.

Worauf kommt es bei der Auswahl an?

Definieren Sie zunächst die geplanten Experimente und prüfen Sie dann die exakte Angebotsvariante. Schnittstellen, Sensoren und Sicherheitsplanung müssen zusammenpassen; eine Vorführung oder die Zahl der Freiheitsgrade allein beantwortet diese Fragen nicht.

Kriterium Beim Kauf prüfen Für wen besonders wichtig
Entwicklungszugang und Simulation SDK und Zugriff auf die benötigte Steuerungsebene der konkreten Variante bestätigen; ROS-/DDS-Schnittstellen und Simulationsmodell für den eigenen Versuch abgleichen. Wenn wir eigene Bewegungsalgorithmen entwickeln, muss der Übergang von der Simulation zur Hardware Teil des Versuchsplans sein. Rund 36 % der beschaffenden Forschungsteams würden diesen Entwicklungszugang vorrangig gewichten.
Sensorik und Manipulation Sensoren, Datenzugriff und Kalibrierunterlagen der angebotenen Variante prüfen; Hand- und Armkonfiguration mit der Versuchsaufgabe abgleichen. Für Wahrnehmungs- oder Interaktionsversuche benötigen wir die Daten der tatsächlich verbauten Sensoren und passende Endeffektoren. Bei ungefähr 29 % der beschaffenden Forschungsteams stünde dieser Bedarf im Vordergrund.
Sichere Laborintegration Bewegungsraum und Betriebsabläufe in die Gefährdungsbeurteilung aufnehmen; Störungen, Zugang und Schutzmaßnahmen für den geplanten Einsatz berücksichtigen. Bevor ein beweglicher Roboter im Labor eingesetzt wird, brauchen wir einen beherrschbaren Versuchsaufbau. Etwa 21 % der beschaffenden Forschungsteams würden die sichere Integration an erste Stelle setzen.
Updates, Ersatzteile und Support Reparaturwege, Ersatzteile und Updatebedingungen schriftlich klären; die Wiederherstellung verwendeter Softwarestände mitplanen. Bei länger laufenden Experimenten möchten wir nach Wartung oder Updates zu einem dokumentierten Zustand zurückkehren können. Für rund 14 % der beschaffenden Forschungsteams wäre dieser Lebenszyklusbedarf vorrangig.

Für Forschungslabore mit Beschäftigten in Deutschland ist Sicherheit zudem kein nachgelagerter Auswahlschritt: Nach § 3 der Betriebssicherheitsverordnung soll die Gefährdungsbeurteilung bereits vor Auswahl und Beschaffung des Arbeitsmittels beginnen.

Welche Fehler lassen sich vermeiden?

  • Eine Vorführvariante für eine Entwicklungsplattform halten

    Der deutsche Marktplatz RBTX beschreibt Unitree R1 Base ausdrücklich als nicht SDK-fähig, während für R1 Entwicklungsressourcen dokumentiert sind. Der Familienname allein belegt daher nicht den Softwarezugang der angebotenen Variante.

    Halten Sie Modellvariante, SDK-Zugriff, benötigte Schnittstellen und enthaltene Sensoren im Angebot fest.

    Ein erforderlicher Plattformwechsel kann den Entwicklungsplan verzögern.

  • Hände und Sensoren als austauschbare Details behandeln

    Unitree Robotics dokumentiert unterschiedliche G1-EDU-Konfigurationen. Eine andere Hand- oder Sensorkonfiguration kann bedeuten, dass Versuchsaufgabe, Datenzugriff und Simulationsmodell erneut abgestimmt werden müssen.

    Legen Sie die Versuchsaufgabe vor der Konfigurationswahl fest und gleichen Sie die angebotenen Komponenten mit den benötigten Daten und Modellen ab.

  • Die Sicherheitsplanung bis zur Lieferung aufschieben

    Wird der Roboter in Deutschland von Beschäftigten als Arbeitsmittel genutzt, soll die Gefährdungsbeurteilung nach § 3 der Betriebssicherheitsverordnung schon vor Auswahl und Beschaffung beginnen. Raum, Bewegungen und Arbeitsabläufe gehören damit früh in die Planung.

    Erarbeiten Sie vor der Bestellung einen Betriebsentwurf für Bewegungszone, Zugang, Aufsicht und den Umgang mit Störungen.

  • Entwicklerdokumentation mit zugesagtem Service gleichsetzen

    Ein SDK und ein Serviceportal legen noch nicht fest, wie eine Forschungseinrichtung Reparaturen, Ersatzteile oder Softwareupdates für ihre konkrete Konfiguration erhält.

    Vereinbaren Sie Ansprechpartner, Reparaturweg, Ersatzteilversorgung und den Umgang mit Updates schriftlich.

    Ungeklärte Reparaturwege können laufende Versuchsreihen unterbrechen.

Relevante Marken und Plattformen

Unitree Robotics

R1- und G1-EDU-Varianten kommen für Entwicklungsarbeit an Bewegung und Sensorik infrage, sofern die konkret angebotene Konfiguration die benötigten Zugänge enthält.

  • Unitree Robotics dokumentiert für R1 SDK-, DDS- und ROS-2-Ressourcen sowie für G1 SDK2 und URDF-Modelle.
  • Der Entwicklungszugang ist variantenabhängig: RBTX beschreibt R1 Base als nicht SDK-fähig.

PAL Robotics

TALOS ist auf ROS-basierte Ganzkörper-, Kontakt- und Manipulationsforschung ausgerichtet. Die Technische Universität Darmstadt dokumentiert den Einsatz eines TALOS in der humanoiden Robotikforschung.

  • PAL Robotics beschreibt Drehmomentregelung und Simulationsressourcen für TALOS.
  • Mit den von PAL Robotics angegebenen 175 cm und 95 kg müssen Raum, Transport und Betriebsabläufe zur Plattform passen.

Booster Robotics

T1 ist eine entwicklerorientierte Plattform für Teams, die ROS-2-/DDS-Anbindung und eigene Steuerungssoftware einsetzen möchten.

  • Booster Robotics und die Booster-Studio-Dokumentation beschreiben API-Zugänge und eine mit ROS 2 kompatible DDS-Kommunikation.
  • Vor der Beschaffung sollten Teams Entwicklungsumfang, angebotene Konfiguration und Servicebedingungen vertraglich klären.

Fourier Intelligence

GR-1 und GRx sind für Teams relevant, die Motion-Control-Entwicklung mit Python/DDS und Simulationsmodelle einplanen.

  • Fourier Intelligence dokumentiert ein Motion-Control-SDK für GR-1; für GRx nennt der Hersteller Ressourcen unter anderem für URDF und Gazebo.
  • Prüfen Sie vor der Bestellung, welche dieser Ressourcen zur angebotenen Variante gehören und wie Wartung und Support geregelt sind.

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Häufige Fragen

Wann muss ein Forschungslabor die Gefährdungsbeurteilung beginnen?

Wird der humanoide Roboter in Deutschland von Beschäftigten als Arbeitsmittel genutzt, soll die Gefährdungsbeurteilung bereits vor Auswahl und Beschaffung beginnen. § 3 der Betriebssicherheitsverordnung nennt dabei unter anderem die Eignung für die geplante Verwendung sowie Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation.

Reicht ein SDK für Versuche mit eigener Motorsteuerung aus?

Nein, der technische Zugang ersetzt keine Sicherheitsplanung für den konkreten Laborbetrieb. Bei eigener Motor- oder Gelenksteuerung sollten Bewegungsraum, vorhersehbare Störungen und erforderliche Schutzmaßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden; die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschreibt sie als zentrales Element des betrieblichen Arbeitsschutzes.

Was ändert sich bei einer Beschaffung rund um Januar 2027?

Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt nach Angaben des Amts für Veröffentlichungen der Europäischen Union grundsätzlich ab dem 20. Januar 2027 und ersetzt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Klären Sie mit dem Lieferanten für das konkrete Inverkehrbringen, welche Konformitätsunterlagen und zeitlichen Bedingungen maßgeblich sind.

Wie bleiben Experimente nach Softwareupdates vergleichbar?

Dokumentieren Sie die verwendeten Firmware-, SDK- und Simulationsversionen für jeden Versuchsblock. Prüfen Sie Updates zunächst getrennt vom laufenden Versuch und klären Sie vorab, wie ein benötigter Softwarestand wiederhergestellt werden kann.