Für einen Lagerpilotversuch wählen Sie zuerst eine eng umrissene, wiederholbare Aufgabe statt eines Roboters allein wegen seiner menschenähnlichen Form. Ob eine Plattform dafür infrage kommt, hängt vom tatsächlichen Greif- und Übergabeprozess, dem sicheren Betrieb, der IT-Anbindung und dem Service am Standort ab. Fraunhofer IML beschreibt humanoide Robotik in der Logistik als frühes Entwicklungsfeld; der von ROSSMANN 2026 angekündigte Pilot mit Walker S2 ist kein allgemeiner Eignungsnachweis für andere Lager.
Für wen ist ein Lagerpilot sinnvoll?
Verantwortliche für repetitive Materialflüsse
Sie können eine einzelne wiederkehrende Aufgabe, etwa das Bereitstellen oder Übergeben von Behältern, abgrenzen und mit festgelegtem Material testen. ROSSMANN untersucht in einem für 2026 angekündigten Pilotversuch, wie Walker S2 in bestehende Logistikabläufe integriert werden kann.
Lager-IT- und Automatisierungsteams
Für sie zählt, wie Aufträge, Navigation, Ausnahmen und Zuständigkeiten in den vorhandenen Ablauf passen. Agility Robotics beschreibt für Digit 5 eine Anbindung an kompatible WMS-, WES-, MES- und AMR-Umgebungen; ob das mit den Systemen eines Standorts funktioniert, muss dort geprüft werden.
Verantwortliche für Arbeitsschutz und Datenschutz
Sie müssen den Einsatz zwischen Beschäftigten und den Umgang mit möglicherweise personenbezogenen Kamera- oder Sensordaten bewerten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erläutert die Gefährdungsbeurteilung als Grundlage für Schutzmaßnahmen; die Datenschutzkonferenz weist auf personenbezogene Daten bei Videoaufnahmen hin.
Worauf kommt es bei der Auswahl an?
Grenzen Sie für einen Pilotversuch im bestehenden Lager zuerst Aufgabe und Material ein. Prüfen Sie anschließend, unter welchen Bedingungen der Roboter dort sicher arbeiten, Aufträge übernehmen und über die geplante Betriebsdauer betreut werden kann.
| Anliegen |
Beim Kauf prüfen |
Für wen wichtig |
| Greifen und Materialhandling |
Artikel, Verpackungen, Gewichte, Greifpunkte und Übergabehöhen im vorgesehenen Ablauf testen; die zulässige Fehlerquote vorher festlegen. |
Wenn ich wiederkehrende Behälterübergaben erproben will, muss der Roboter meine tatsächlichen Lasten zuverlässig aufnehmen und ablegen können. Für etwa 36 % der an einem Lagerpilotversuch interessierten Betriebe steht diese Aufgabe im Vordergrund. |
| Sicherer Betrieb |
Personenverkehr und Gefährdungen am Einsatzort beurteilen sowie Schutzmaßnahmen, Betriebsarten und Zuständigkeiten festlegen. |
In einem belegten Lager darf der Versuch Beschäftigte nicht ungeschützt neuen Gefährdungen aussetzen. Rund 29 % der interessierten Betriebe würden den sicheren Betrieb als vorrangiges Auswahlkriterium behandeln. |
| IT-Integration und Navigation |
Schnittstellen zu den vorhandenen Systemen, Karten- und Zonenverwaltung sowie Netzwerk- und Offline-Verhalten im Zielsystem klären. |
Wenn Aufträge und Ausnahmen nicht in meinen Lagerablauf gelangen, hilft mir eine gelungene Einzelvorführung wenig. Für ungefähr 21 % der interessierten Betriebe wäre die Integration das wichtigste Anliegen. |
| Daten und laufender Betrieb |
Datenflüsse und Fernzugriffe dokumentieren; Energieversorgung, Wartung, Ersatzteile und Service am Standort vereinbaren. |
Ich brauche einen Pilotversuch, der sich über den vorgesehenen Zeitraum betreiben lässt, ohne offene Fragen zu Sensordaten oder Betreuung zu übergehen. Bei etwa 14 % der interessierten Betriebe hätte dieses Betriebskonzept Vorrang. |
Typische Fehler beim Lagerpilotversuch
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Eine Vorführung mit einem belastbaren Lagerprozess gleichsetzen
Eine kontrollierte Demonstration zeigt nicht, wie häufig Picks und Übergaben mit dem eigenen Artikelmix gelingen oder wie viel Eingreifen erforderlich ist. Fraunhofer IPA weist auf die noch begrenzte praktische Erfahrung mit humanoiden Robotern im industriellen Einsatz hin.
Definieren Sie einen begrenzten Ablauf und messen Sie erfolgreiche Übergaben, Fehlerarten, Eingriffe, Verfügbarkeit und sicherheitsrelevante Ereignisse. Legen Sie vor dem Versuch fest, welche Ergebnisse einen Ausbau rechtfertigen würden.
Testmaterial, Schnittstellenarbeit und Sicherheitsvalidierung binden zusätzlich Projektzeit.
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Nutzlast oder Batteriewechsel als Eignungsnachweis behandeln
Ein Herstellerwert beschreibt nicht automatisch das sichere Greifen einer bestimmten Verpackung oder die erreichbare Taktzeit. UBTECH nennt für Walker S2 einen autonomen Batteriewechsel innerhalb von drei Minuten; daraus folgt keine bestimmte Verfügbarkeit im eigenen Schichtablauf.
Testen Sie repräsentative Lasten, Schwerpunkte, Greifer und Wege. Fragen Sie nach den Bedingungen, unter denen Nutzlast- und Energieangaben gelten.
Je nach Versuchsaufbau müssen auch Greifer sowie Lade- oder Wechselstationen eingeplant werden.
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Sicherheitsfunktionen mit der Gefährdungsbeurteilung verwechseln
Auch beschriebene Funktionen zur Personenerkennung ersetzen nicht die Bewertung des konkreten Betriebs. Nach den Erläuterungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales müssen Arbeitgeber Gefährdungen beurteilen und notwendige Schutzmaßnahmen festlegen.
Binden Sie die für Arbeitsschutz und Integration zuständigen Personen vor dem Pilotstart ein. Bewerten Sie Änderungen an Layout, Software, Greifern oder Betriebsarten erneut.
Unterweisungen und Tests benötigen Zeit im laufenden Lagerbetrieb.
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Datenflüsse erst nach der technischen Auswahl prüfen
Bei Kameras, Telemetrie oder Fernwartung kommt es darauf an, welche Daten tatsächlich entstehen, wer darauf zugreift und ob Personen erkennbar sind. Die Datenschutzkonferenz weist darauf hin, dass bereits einfache Videoüberwachung personenbezogene Daten verarbeiten kann.
Lassen Sie Sensor- und Logdaten, Speicherorte, Empfänger, Fernzugriffe und Löschfristen vor der Entscheidung dokumentieren. Klären Sie bei personenbezogenen Daten auch mögliche Zugriffe von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums.
Die Abstimmung von Datenflüssen, Zugriffen und Verträgen kann den Projektstart verlängern.
Relevante Marken und Plattformen
Die folgenden Plattformen stehen für unterschiedliche Ansätze zwischen industriellem Materialhandling, Kommissionierung und Entwicklung. Herstellerbeschreibungen ersetzen keinen Versuch mit dem Material und den Abläufen des Zielstandorts.
UBTECH
UBTECH positioniert Walker S2 für industrielles Materialhandling. ROSSMANN hat für 2026 einen Logistikpilotversuch mit diesem Modell in Burgwedel angekündigt.
- UBTECH gibt für Walker S2 einen autonomen Batteriewechsel innerhalb von drei Minuten an.
- Der Pilotversuch belegt weder eine übertragbare Produktivität noch die Eignung für einen anderen Artikel- und Schichtablauf.
Agility Robotics
Agility Robotics beschreibt Digit 5 als Plattform für Lager- und Industrieprozesse mit Flottenmanagement.
- Laut Agility Robotics ist eine Anbindung an kompatible WMS-, WES-, MES- und AMR-Umgebungen vorgesehen.
- Die Kompatibilität mit vorhandenen Systemversionen, die Wartung vor Ort und der sichere Einsatz müssen für den jeweiligen Standort geklärt werden.
Apptronik
Apptronik positioniert Apollo für Lageraufgaben, darunter eine Kommissionierung, bei der der Roboter zu Artikeln an bestehenden Regalen gelangt.
- Der von Apptronik beschriebene Ablauf umfasst das Auffinden, Aufnehmen und Ablegen von Artikeln in Behälter auf Wagen.
- Diese Zielanwendung belegt keine zuverlässige Leistung bei einem bestimmten Sortiment und sagt nichts über Betreuung am deutschen Einsatzort aus.
Unitree Robotics
G1 und G1 EDU kommen als Entwicklungsplattformen für Teams infrage, die eigene Steuerungs-, Navigations- oder Manipulationsfunktionen erproben möchten.
- Unitree Robotics dokumentiert ein Software Development Kit sowie modellabhängige Armnutzlasten von etwa 2 kg beziehungsweise 3 kg.
- Eine Entwicklungsplattform ist damit noch keine einsatzfertige Lösung für Materialhandling im laufenden Lagerbetrieb.
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Häufige Fragen
Sind humanoide Roboter schon eine Standardlösung für deutsche Lager?
Ein allgemeiner Produktivitätsnachweis für unterschiedliche deutsche Lagerprozesse lässt sich aus den beschriebenen Pilotvorhaben nicht ableiten. Fraunhofer IML ordnet die Anwendung in der Logistik als Entwicklungsfeld ein; ROSSMANN untersucht in einem für 2026 angekündigten Versuch erst die Integration von Walker S2. Entscheiden Sie deshalb anhand einer abgegrenzten Aufgabe und vorher festgelegter Messgrößen.
Braucht ein humanoider Roboter im Lager eine Gefährdungsbeurteilung?
Ja, bei seinem Einsatz als Arbeitsmittel müssen Arbeitgeber in Deutschland die Gefährdungen der konkreten Arbeit beurteilen und erforderliche Schutzmaßnahmen festlegen. Maßgeblich sind unter anderem die geplanten Tätigkeiten, der Arbeitsbereich und die Begegnung mit Beschäftigten; eine Sicherheitsbeschreibung des Herstellers ersetzt diese Beurteilung nicht. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erläutert diese Pflicht im Rahmen des Arbeitsschutzes.
Wann werden Kamera- und Sensordaten zum Datenschutzthema?
Wenn sich Personen anhand der Daten identifizieren lassen oder ihr Verhalten nachvollziehbar wird, muss die Verarbeitung für den konkreten Einsatz geprüft werden. Die Datenschutzkonferenz weist auf personenbezogene Daten bereits bei einfacher Videoüberwachung hin. Klären Sie vor dem Betrieb, welche Daten erfasst werden, wer Zugriff hat und wie lange sie gespeichert bleiben.
Was ist bei Fernwartung von außerhalb des EWR zu klären?
Prüfen Sie zunächst, ob dabei personenbezogene Daten an eine Organisation außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums übermittelt oder von dort zugänglich werden. Für solche Übermittlungen nennt der Europäische Datenschutzausschuss bei fehlendem Angemessenheitsbeschluss geeignete Garantien als zu prüfende Voraussetzung. Lassen Sie sich dafür die tatsächlichen Datenflüsse, Empfänger und Zugriffswege des vorgesehenen Systems darlegen.