Ein humanoider Roboter kommt für einen begrenzten Kommissionierpilot infrage, wenn wechselnde Pick-Aufgaben und die Anbindung an das vorhandene Lagerverwaltungssystem im eigenen Betrieb getestet werden können. Der von NEURA Robotics beschriebene Einsatz von 4NE1 bei BITZER mit SAP S/4HANA EWM ist ein einzelner Proof of Concept, kein Nachweis für die Eignung in anderen Lagern. Bei standardisierter Einzelstückentnahme sollte auch eine spezialisierte Pick-Lösung geprüft werden; liegt der Engpass im Transport, ist ein autonomer mobiler Roboter (AMR) die passendere Vergleichsroute.
Für welche Lager passt welche Route?
Pilotteam mit wechselnden Pick-Aufgaben
Für Lagerteams, die veränderte Aufträge und Ausnahmen an repräsentativen Artikeln erproben und dabei die Anbindung an ihr Lagerverwaltungssystem testen möchten. NEURA Robotics beschreibt einen solchen 4NE1-Pilot bei BITZER mit SAP S/4HANA EWM; die Übertragbarkeit auf andere Abläufe bleibt im eigenen Lager zu prüfen.
Lager mit wiederholbarer Kleinteilekommissionierung
Wenn Einzelstücke aus geeigneten Behältern in einem weitgehend standardisierten Ablauf entnommen werden, gehört eine spezialisierte Pick-Lösung in den Vergleich. SSI SCHÄFER beschreibt dafür SSI Piece Picking und die Einbindung robotischer Kommissionierung über WAMAS Robotics.
Team mit einem Transportengpass
Wer vor allem Paletten oder Behälter zwischen festgelegten Übergabepunkten bewegen muss, sollte Transport und Einzelstückentnahme getrennt bewerten. Jungheinrich positioniert seine autonomen mobilen Roboter für Transportaufgaben; daraus folgt keine Fähigkeit zur Entnahme einzelner Artikel aus Regalen.
Was ist vor der Auswahl zu prüfen?
Bei schwankendem Auftragsvolumen entscheidet zunächst der tatsächliche Engpass: wechselnde Entnahmeaufgaben, wiederholbares Picking oder der Transport zwischen Übergabepunkten. Keine dieser Routen ersetzt den Test der Prozessanbindung und die Bewertung des vorgesehenen Arbeitsplatzes.
Humanoider Pick-Pilot
Sinnvoll zu prüfen: Wenn ein abgegrenzter Pilot wechselnde Pick-Aufgaben einschließlich der nötigen Prozessanbindung testen soll. NEURA Robotics beschreibt hierfür den 4NE1-Einsatz bei BITZER mit SAP S/4HANA EWM.
Grenze: Der einzelne Proof of Concept belegt weder die Integration in jedes Lagerverwaltungssystem noch die Eignung für andere Artikel und Lagerlayouts.
Spezialisierte Pick-Lösung
Sinnvoll zu prüfen: Wenn Einzelstücke in einem wiederholbaren Ablauf aus geeigneten Behältern entnommen werden sollen, wie bei der von SSI SCHÄFER beschriebenen Piece-Picking-Lösung.
Grenze: Die Eignung hängt vom konkreten Artikelmix, der Greifbarkeit und der Anlagenintegration ab.
Autonomer mobiler Roboter
Sinnvoll zu prüfen: Wenn wiederkehrender Materialtransport zwischen definierten Punkten der Engpass ist, etwa der von Jungheinrich für den arculee M beschriebene Palettentransport.
Grenze: Eine Transportlösung übernimmt nicht allein deshalb das Greifen und Ablegen einzelner Artikel.
| Kriterium |
Beim Kauf prüfen |
Für wen wichtig |
| Pick-Aufgaben |
Repräsentative Artikel, Behälter und Greiflagen testen; Ausnahmefälle als Abnahmekriterien festlegen. |
Wenn meine Aufträge häufig wechseln, muss die Lösung die tatsächlich anfallenden Entnahmen bewältigen. Für etwa 22 % der Beschaffenden steht diese Prozessabdeckung an erster Stelle. |
| WMS-Anbindung |
Schnittstellen für den eingesetzten WMS-Release festlegen; Auftragsänderungen und Wiederanlauf testen. |
Ich brauche verlässliche Übergaben von Aufträgen und Status, damit der Roboter in meinen Lagerablauf passt. Etwa 28 % der Beschaffenden räumen der Integration die höchste Priorität ein. |
| Sichere Zusammenarbeit |
Verkehrswege, Greifer, Ladung und vorhersehbare Störungen am vorgesehenen Arbeitsplatz bewerten. |
Arbeitet der Roboter neben meinem Team, muss das konkrete Layout in die Sicherheitsbewertung einfließen. Dies ist für etwa 28 % der Beschaffenden das vorrangige Anliegen. |
| Pilot und Betrieb |
Abnahme, Zuständigkeiten bei Störungen, Service und Rückfall auf manuelle Abläufe vereinbaren. |
Ein gelungener Versuch hilft mir nur, wenn Unterstützung und Weiterbetrieb anschließend geregelt sind. Darauf legen etwa 22 % der Beschaffenden zuerst Wert. |
Fehler bei Pilotierung und Beschaffung
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Einen Proof of Concept auf das ganze Lager übertragen
Der von NEURA Robotics beschriebene 4NE1-Einsatz bei BITZER betrifft einen bestimmten Prozess mit SAP EWM. Andere Artikel, WMS-Versionen oder Arbeitsabläufe sind damit nicht automatisch abgedeckt.
Begrenzen Sie den Pilot auf definierte Aufgaben und prüfen Sie repräsentative Artikel, Störungen und messbare Abnahmekriterien vor einer Ausweitung.
Integrationstests, Schulung und ein Rückfallprozess für die manuelle Kommissionierung können zusätzlichen Aufwand verursachen.
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Transport mit Einzelstückentnahme gleichsetzen
Ein AMR für Materialtransport bewegt Güter zwischen Übergabepunkten, übernimmt aber nicht automatisch das Identifizieren, Greifen und Ablegen unterschiedlicher Einzelartikel.
Trennen Sie Transport, Entnahme, Scan und Störungsbehandlung im geplanten Ablauf. Prüfen Sie dann für jeden Engpass die geeignete Technik.
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CE-Unterlagen als Freigabe für den Arbeitsplatz ansehen
Nach § 3 der deutschen Betriebssicherheitsverordnung muss die Gefährdungsbeurteilung auch Arbeitsmittel, Umgebung und Arbeitsabläufe berücksichtigen und soll bereits vor Auswahl und Beschaffung beginnen. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung betont bei kollaborierenden Robotern den vorgesehenen betrieblichen Arbeitsplatz.
Beziehen Sie fachkundige Personen ein und bewerten Sie Roboter, Greifer, Ladung, Verkehrswege und vorhersehbare Störungen gemeinsam.
Erforderliche Schutzmaßnahmen, Unterweisungen und Anpassungen der Verkehrswege können den Pilotumfang verändern.
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Unterlagen einer anderen Produktvariante übernehmen
Die Bundesnetzagentur nennt bei der Kontrolle entsprechender elektrischer und elektronischer Produkte unter anderem Kennzeichnung, Konformitätsunterlagen sowie deutsche Nutzungs- und Warnhinweise. Dokumente sollten zur tatsächlich beschafften Konfiguration passen.
Fordern Sie vor der Beschaffung die Unterlagen mit eindeutiger Zuordnung zu Modell und Variante an und prüfen Sie die deutschen Bedienungs- und Sicherheitshinweise.
Relevante Anbieter zur Orientierung
NEURA Robotics
NEURA Robotics positioniert 4NE1 für industrielle Umgebungen einschließlich Logistik. Das Unternehmen beschreibt einen Kommissionierpilot bei BITZER mit SAP S/4HANA EWM.
- Der beschriebene Pilot bietet einen konkreten Bezugspunkt für die Planung eines Tests mit SAP EWM.
- Der Einsatz bei BITZER bestätigt keine Standardintegration oder Sicherheitsfreigabe für ein anderes Lager.
Jungheinrich
Jungheinrich bietet autonome mobile Roboter für intralogistische Transportaufgaben an, darunter den arculee M für Paletten.
- Jungheinrich beschreibt den arculee M mit einer Tragfähigkeit von bis zu 1.300 kg und VDA-5050-Kompatibilität.
- Palettentransport belegt keine autonome Einzelstückentnahme; Verkehrswege und Übergaben müssen zum Lager passen.
SSI SCHÄFER
SSI SCHÄFER beschreibt SSI Piece Picking für automatisierte Einzelstückkommissionierung und WAMAS Robotics für die Einbindung robotischer Prozesse in das Logistiksystem.
- Für SSI Piece Picking nennt der Hersteller bis zu 1.200 Picks pro Stunde.
- Diese Herstellerangabe lässt sich nicht ohne Prüfung von Artikelmix, Behältern, Greifbarkeit und Anlagenkonfiguration auf ein anderes Lager übertragen.
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Häufige Fragen
Belegt der 4NE1-Pilot die Eignung für jedes Lager?
Nein. NEURA Robotics beschreibt einen Proof of Concept bei BITZER, bei dem 4NE1 Kommissionieraufgaben mit SAP-EWM-Geschäftslogik ausführte. Für ein anderes Sortiment, Layout oder WMS braucht es einen eigenen Prozess- und Integrationstest.
Welche SAP-EWM-Schnittstelle sollte ein Lager für Robotik wählen?
Die Schnittstelle muss zur konkreten Roboterfunktion und Integrationsarchitektur passen. Die SAP Community nennt unter anderem OData-APIs, die EWM-WCU-IDoc-Schnittstelle sowie SOAP-Webservices und RFCs als mögliche Wege; die Auswahl sollte mit dem eingesetzten EWM-Release und den benötigten Auftrags- und Ausnahmeabläufen getestet werden.
Reicht eine CE-Kennzeichnung für den Robotereinsatz im Lager?
Nein. Für Arbeitsmittel in Deutschland verlangt § 3 der Betriebssicherheitsverordnung eine Gefährdungsbeurteilung des vorgesehenen Einsatzes, die bereits vor Auswahl und Beschaffung beginnen soll. Die Kennzeichnung ersetzt die Bewertung von Arbeitsplatz, Abläufen und vorhersehbaren Störungen nicht.
Welche Unterlagen sollte das Team für einen vernetzten Roboter anfordern?
Prüfen Sie die CE-Kennzeichnung, die zur beschafften Variante gehörenden Konformitätsunterlagen sowie deutsche Bedienungs- und Sicherheitshinweise. Die Bundesnetzagentur nennt solche Angaben bei ihrer Marktüberwachung elektrischer und elektronischer Produkte mit Funkfunktionen; für den Betrieb ist zusätzlich der konkrete Arbeitsplatz zu bewerten.